Altern in der Stadtgesellschaft – Offene Fraktionssitzung

Öffentliche Diskussionen zum Altern in unserer Gesellschaft sind in regelmäßigen Abständen die Top-Level-Themen in den Medien. Dabei wird Chemnitz mitunter ein besonderer Status als „alternde Stadt“ zuteil. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Chemnitzer Stadtrat stellte sich zunächst im Rahmen einer Klausurtagung die Frage, ob in der Stadt Chemnitz die richtigen Angebote für die ältere Genration vorgehalten werden und wie Kommunalpolitik diese Angebote verbessern und vielleicht auch optimieren kann.

Am 23. Mai 2016 lud die Fraktion deshalb zu einer Offenen Fraktionssitzung zum Thema „Altern in der Stadtgesellschaft“ ein. Die Sitzung wurde von Stadträtin und Sozialpolitikerin Christin Furtenbacher moderiert.

Zunächst referierte Prof. Dr. Georg Jahn vom Lehrstuhl für angewandte Gerontopsychologie an der TU Chemnitz zum Thema „Lebensräume für gutes Altern“. Er stellte heraus, dass es sich hier im Grundsatz um zwei Gruppen handelt; „junge Alte“, die etwa 60 bis 80 Jahre alt sind und „sehr alte Menschen“ im Alter ab 80 Jahren. Die Angehörigen beider Gruppen unterscheiden sich in Bezug auf körperliche und geistige Gesundheit, soziales Netz, Bildungshintergrund und Fähigkeiten, Interessen, Werte, Ziele, materielle Ressourcen, Gewohnheiten und Lebensstile. Gutes Altern besteht darin, Krankheiten und Behinderungen zu verhindern, um so lange wie möglich aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Aber auch Integration und Teilhabe trotz Krankheit und Behinderung sind dabei erheblich Faktoren.

Dabei kann die „Schwelle der Behinderung“ durch Kompetenzerhalt und durch körperliche und geistige Aktivität gesenkt werden. Ein positives Altersbild, generationenübergreifender Austausch und gesellschaftliche Mitverantwortung unterstützen zudem gutes Altern und längeres Fitbleiben.

Mit zunehmendem Alter nimmt der Einfluss der Umwelt zu.

Altersgerechte Städte fördern daher Aktivitäten und Integration, ermöglichen Selbstständigkeit und Teilhabe trotz körperlicher Einschränkungen. Prof. Jahn verwies in diesem Zusammenhang auf den Leitfaden der WHO für altersfreundliche Städte.

Im Anschluss referierte Christophe Holzapfel, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Sachsen im Deutschen Verband der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen (DVLAB e.V.). Sein Thema war das „Altern in der Stadt Chemnitz“. Als Ausgangspunkt präsentierte er statistische Erhebungen zur Bevölkerungsentwicklung und entsprechende Anteile an Senioren gegenüber Erwerbstätigen in Prognosen bis 2050. Neben einem gut ausgebauten Netz an ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sah er in vorhandenen Angeboten wie Begegnungsstätten, Seniorensozialdienst, Seniorenkolleg einen Ansatz zur Weiterentwicklung einer generationenübergreifenden Gesamtstrategie. Damit würde die Prävention gestärkt und soziale Isolationen aufgelöst. Eine für Familien attraktive Stadtgesellschaft stärkt innerfamiliäre Unterstützungssysteme sowie Wahlverwandtschaften und fördert die Nachbarschaftshilfe. Und mittlerweile entwickelten sich einzelne Begegnungsstätten zu Integrationszentren die Stadtteile, wo auch Flüchtlingsfamilien Rat und Unterstützung erfahren.

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