Fraktionserklärung Stadtratssitzung

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister und sehr geehrte Bürgermeister,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Chemnitzerinnen und Chemnitzer,

letztes Wochenende hat es Chemnitz mal wieder in die Nachrichten geschafft.

Für alle, die es verpasst haben, hier ganz kurz: Eine nicht unerheblich große Gruppe Chemnitzer Neonazis und Anhänger des Chemnitzer Fußballclubs ziehen nach einem Testspiel im tschechischen Most durch die Straßen und skandalieren Textzeilen aus einem Landser-Lied. Begleitet von Sieg Heil Rufen. Zu allem Überfluss rollen sie während des Spiels auch noch klar homophobe Transparente aus.

Erste Reaktion vor Ort? Nichts. Vielleicht ja aus Hilflosigkeit heraus?

Was mich in diesem Zusammenhang dennoch positiv überrascht hat, ist die schnelle und proaktive Distanzierung der Verantwortlichen des CFC von diesen „Fans“.

Über 15.000 Plätze, aber KEINER für Nazis! Ist ein deutliches und wichtiges Signal. Ein Signal, welches es vom Verein schon hätte vor Jahren geben müssen. In der Vergangenheit hat man hier immer wieder weggeschaut und erfolgreich ignoriert, dass rechte Strukturen die Plattform des Chemnitzer FC nutzen um sich zu vernetzen, zu rekrutieren und natürlich klar, um sich mediale Aufmerksamkeit zu sichern. Letzteres stellt sowohl Chemnitz als Stadt mit ihrer, in großen Teilen weltoffenen Gesellschaft, als auch den Verein immer wieder in die braune Ecke. Dieses, hier gezeichnete Bild, schadet nicht zuletzt auch der Stadt als Wirtschafts- und Investitionsstandort massiv.

Als Außenstehende nehme ich natürlich auch endlich Menschen in der Führungsetage des Vereins wahr, die diese Bekenntnisse mit Leben füllen wollen. Ich nehme aber auch eine gewisse Ohnmacht wahr, Mittel und Wege zu finden, dies ganz praktisch umzusetzen.

Wir müssen aufhören reflexartig diese rechtsextremistischen Vorfälle zu verteidigen, um den Ruf der Stadt nicht zu gefährden. Rechtsextremismus ist gefährlich. Seit 30 Jahren hat der CFC, Fans und Strukturen, die sich nicht an die demokratischen Werte halten, z.B. auch über die Security mitfinanziert.

Als Stadt haben wir den CFC über viele Jahre massiv unterstützt und tun es bis heute. Kaum ein anderer Verein oder wohl besser kein Verein der Stadt, hat über die letzten Jahrzehnte so viele kommunale Mittel erhalten, obgleich aus den Reihen anderer Vereine große Sportler:innen hervorgegangen sind oder man erstklassige Bundesliga-Teams stellt (z.B. Basketball oder Floorball).

Ich frage Sie, wann ist die rote Linie des Akzeptierbaren in diesem Kontext überschritten? Für mich ist sie genau an der Stelle überschritten, wenn man registriert, dass man mit öffentlichen Mitteln neonazistische und gewaltbreite Strukturen unterstützt.

Förderung ja, aber nicht wenn wir nur als Zuschauer:innen am Spielfeldrand stehen und rechtsextremistische Strukturen gewähren lassen.

Lieber Chemnitzer FC, sich klar gegen Homophobie und Rassismus und für Toleranz und Vielfalt zu bekennen, macht den Club nicht gleich zum sächsischen St. Pauli oder SV Babelsberg. Man ist damit auch nicht auf einmal „zu links“. Man steht einfach nur für wichtige Werte unseres Zusammenlebens ein. Werte, die besonders im Sport so wichtig sind.

Vielleicht verlieren Sie ja ein paar Idioten, die dann nicht mehr ins Stadion kommen und sich distanzieren. Vielleicht auch gleich noch ein paar Sympathisant:innen rechter Ideologie mit.

Was dieser Weg aber Vielmehr bietet, ist die Chance, Demokrat:innen zurückzugewinnen. Familien, die ihren Kindern nicht erklären wollen, was „Hurensöhne“ sind und warum man den Gegner nur beschimpft, statt die eigene Mannschaft zu unterstützen, oder was diese demokratiefeindlichen Banner bedeuten und warum keine:r etwas unternimmt.

Was es jetzt braucht, ist ein konsequentes und sorgfältiges Aufarbeiten der letzten und jedes einzelnen zukünftigen Falls. Eine Aufarbeitung mit allen Mitteln, die der Rechtsstaat und auch das neu entstehende Leitbild des CFC hergibt. Darüber hinaus braucht es dafür absolute Transparenz. Und es braucht eine klare Strategie gegen rechts aus dem Verein heraus.

Dazu gehört u.a. eine Stadionordnung, die konsequent alle Verfassungsfeindlichen Symbole, Gesten, Banner und Modemarken ausschließt und einen Sicherheitsdienst, der das auch hart umsetzt.  Der Verein muss den Nazis permanent auf den Füssen stehen, die Strukturen sprengen und einen auf den Grundwerten basierenden Weg finden, der eben auch einschließt die auszuschließen die Fußball und Rechtsextremismus zusammen leben müssen.

Wie bereits gesagt, für uns als Fraktionsgemeinschaft ist die rote Linie überschritten. Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt muss konsequent gehandelt werden. Ein weiter so aus Beschwichtigung und Relativierung unter dem Deckmantel den Ruf der Stadt nicht zu gefährden für uns geht nicht. Wir erwarten hier klare Kante vom Verein und stehen auch gerne für Gespräche bereit.

Danke.

– es gilt das gesprochene Wort –

Stadtratssitzung vom 30.06.2021

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