GRÜNE für Hebammenstudium in Chemnitz

5. Mai Welthebammentag

„Ein Wochenbett ohne Hebamme ist schlichtweg fahrlässig und unverantwortlich gegenüber der Gesundheit von Mutter und Kind! Es darf nicht sein, dass Frauen keine Hebamme für die Nachsorge nach der Entbindung finden, wie es aktuell in Chemnitz der Fall ist“, findet GRÜNEN-Stadträtin Christin Furtenbacher.

Der anhaltende Hebammen- und Nachwuchsmangel besteht aufgrund der schlechten Vergütung für einen Beruf mit hoher Verantwortung, nicht regelbaren Arbeitszeiten, enorm gestiegenen Beiträgen für die Berufshaftpflichtversicherung und wachsenden bürokratischen Zusatzaufgaben.

Die Grünen-Stadträtin fordert: „Wir müssen miteinander alle Chancen ausschöpfen, um mehr Hebammen für Chemnitz und die Region zu gewinnen. Die Stadt Chemnitz soll sich mit all ihren Möglichkeiten beim Land für die Einrichtung eines Hebammen-Studiengangs an der TU Chemnitz stark machen und bei den möglichen Partnern wie der TU Chemnitz, dem Klinikum Chemnitz, dem DRK-Krankenhaus Rabenstein, dem Geburtshaus und den in der Stadt tätigen Hebammen für Unterstützung des Vorhabens zu werben.“

Laut EU-Recht müssen alle Mitgliedstaaten die Hebammenausbildung bis Januar 2020 in ein Hochschulstudium überführen. Bislang sind keine konkreten Planungen des Freistaates dazu bekannt.

Die Bündnisgrüne stellt fest: „Ein Studienangebot in Chemnitz bietet die Chance wirksam und nachhaltig für mehr Hebammennachwuchs in Chemnitz und der Region zu sorgen, da erfahrungsgemäß ein relevanter Teil der Studierenden nach dem Studienabschluss in der Stadt oder der Region verbleibt.“

„Mit einem ‚Institut für Angewandte Hebammenwissenschaften‘ an der TU Chemnitz könnte der Hebammennachwuchs für die gesamte Region Südwestsachsen ausgebildet werden. In Zusammenarbeit mit unseren beiden ausgezeichneten Chemnitzer Geburtsstationen könnte ein duales praxisintegrierendes Hochschulstudium, wie es der Hebammenverband favorisiert, in Chemnitz etabliert werden“, so das Plädoyer Furtenbachers.


Hintergrund:

Die EU verlangt bereits seit 2013, dass bis Januar 2020 die Hebammenausbildung in allen EU-Ländern auf ein hochschulisches Niveau angehoben werden soll. Deutschland hat jedoch erst im Oktober 2018 dazu Stellung bezogen. Die Hebammenausbildung soll in Zukunft auch in Deutschland vollständig akademisch erfolgen. Die Zeit dafür drängt.

In einigen Ländern ist die vollständige Überführung an die Hochschulen bereits beschlossen, entsprechende finanzielle Unterstützung ist vorgesehen. So kann in Schleswig-Holstein zum Beispiel die Lehre in den kommenden Jahren vollständig an die Universität Lübeck überführt
werden. Andere Länder werden folgen, beispielsweise Hamburg, Bremen und
Sachsen-Anhalt. Dies ist sinnvoll, weil das Interesse an der schulischen Ausbildung sinkt.

Jedoch haben viele Landesregierungen offenbar entschieden, nichts zu unternehmen, bis das neue Hebammengesetz vorliegt. In vielen Ländern ist nach wie vor unklar, an welchen Standorten die Studiengänge aufgebaut werden sollen. Einige Länder vertreten sogar den Standpunkt, dass sie Hebammenschulen noch viele Jahre bestehen lassen wollen. Derzeit werden sogar neue Hebammenschulen gegründet, die teils nicht mehr den Mindestanforderungen an die Ausbildung genügen.

In vielen europäischen Ländern konnte nach der Akademisierung die Kaiserschnittrate und die Zahl der Interventionen gesenkt werden. Der Beruf wurde wieder attraktiver, so dass mehr Hebammen in ihrem Beruf tätig sind.

Pressemitteilung: 02.05.2019

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