Keine Hilfe für Wildtiere – die Stadt Chemnitz trägt eine Verantwortung

Auf die wiederkehrende Frage „Wohin mit aufgefundenen Wildtieren?“ (siehe Freie Presse-Artikel vom 22.07.2017, „Problem eines Tierretters: Wohin mit dem Vogel in Not?“) gibt es in Chemnitz keine passende Antwort. Die Menschen wissen nicht, wo sie verletzt aufgefundene Wildtiere abgeben können. Es gibt dazu kaum Informationen. Ebenso fehlt die notwendige Aufklärung, wie sich Menschen bei diesen Funden verhalten sollen – in der Natur belassen, jemanden informieren oder das Tier mitnehmen und abgeben.

Der Fraktionsvorsitzende Thomas Lehmann meint dazu: „Die Menschen in Chemnitz wollen den Tieren helfen und ihnen wird seitens der Stadt die Nase vor der Tür zugeschlagen. Kaum einer kann ein verletztes Wildtier bei sich zu Hause in der Wohnung aufnehmen und auch noch artgerecht versorgen. Das klappt vielleicht noch bei einer Feldmaus, aber nicht bei einem Mauersegler.“

Die Stadt hat mit dem Tierheim in Chemnitz einen Vertrag geschlossen, jedoch der Einrichtung selbst keine dafür notwendigen Hilfen in Aussicht gestellt. Laut Stellungnahme der Stadtverwaltung auf eine gemeinsame Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Fraktion und Fraktion DIE LINKE ist das Tierheim keine Wildtierauffangstation. Jedoch ist auf Nachfrage einzelner Stadträtinnen und Stadträte im Vertrag zwischen Stadt und Tierheim die Aufnahme von Wildtieren im Vertrag eindeutig geregelt. Zudem gibt es laut Anfrage im Tierheim kein Fachpersonal, das sich in der Versorgung von verletzten Wildtieren und deren Auswilderung auskennt.

Tierheime dienen in erster Linie der Unterbringung von aufgefundenen und abgegebenen Haustieren, deren kurz- bis mittelfristiger Weitervermittlung an Privatpersonen sowie zur Versorgung von beschlagnahmten oder sichergestellten Tieren. Wildtierauffangstationen haben primär die Aufgabe, verletzte oder verwaiste heimische Wildtiere gesund zu pflegen und wieder auszuwildern.

Eine Einrichtung, mit der es möglich ist, verletzt aufgefundene Wildtiere fachgerecht unterzubringen und zu versorgen, ist laut Stadtverwaltung Chemnitz nicht vorgesehen. Die Tiere werden provisorisch im Tierheim untergebracht, zwischen zahlreichen Hunde- und Katzenkäfigen findet sich beispielsweise der Mink wieder. Wildtiere können nicht artgerecht in Gattern für Haustiere untergebracht werden – schon gar nicht in deren Nähe – das erschwert die Auswilderung.

„Es ist bezeichnend, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierheims so ganz nebenbei Wildtiere versorgen müssen. Das belastet die ohnehin knappen finanziellen, personellen und räumlichen Kapazitäten zusätzlich. Eine bessere Lösung sehen wir in einer Unterbringung im Botanischen Garten oder im Wildgatter bei entsprechend zusätzlicher Förderung durch die Stadt“, erklärt Lehmann.

RA-264_2017_Antwort_Ratsanfrage_Wildtierauffangstation

Pressemitteilung vom 25.07.2017

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